Illegaler Welpenhandel boomt!

Der Handel mit Hundewelpen boomt – vor allem seit der Corona-Krise und nun zur Weihnachtszeit. Wären Welpen doch ein ganz besonderes Geschenk und welcher Tag wäre dafür geeigneter als Weihnachten, denken sich viele Menschen. (Lest dazu bitte auch unseren Blogartikel: Kein Haustier zu Weihnachten) Aber für viele Händler sind die Welpen eine reine Geldquelle, eine Massenware, die man schnell unter die Leute bringen muss. Tierschutz ist dabei aber ein Fremdwort. „Billig-Welpen“ kommen vor allem aus Osteuropa. Aber wie kannst du helfen, diesen Handel zu unterbinden? In erster Linie: Kaufe bitte niemals ein Tier aus Mitleid und lass dich nicht auf ein vermeintliches Tier-Schnäppchen aus dem Internet oder auf der Straße ein. Besuche seriöse Züchter oder sieh dich im Tierheim um!

die situation in osteuropa:

Man kann schon fast von „Welpenfarmen“ sprechen, in denen Hündinnen zu Gebärmaschinen degradiert werden und deren Sinn nur darin liegt, möglichst oft im Jahr zu gebären. Zusammen mit den Deck-Rüden leben sie zusammengepfercht in fensterlosen Verschlägen, sind oftmals krank und mit allerlei Hormonen vollgepumpt. Gen-Defekte und Krankheiten werden an die Welpen weitergegeben. Diese Welpen sind dann sogenannte „Ausschussware“ und werden ebenso in europäische Länder illegal eingeführt. Den Interessenten werden die Welpen dann als vermeintliche Rasse-Schnäppchen angeboten.

Der illegale Handel ist ein skrupelloses Millionengeschäft auf Kosten der Tiere: Die Welpen sind unterernährt, krank und nicht geimpft, werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und stundenlang eng zusammengepfercht zu ihren europäischen Zielorten gekarrt. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes

Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie die Verbraucherschutzministerien warnen vor dem Kauf illegal gehandelter Welpen, die vor allem aus Osteuropa stammen.

„Die Dunkelziffer beim illegalen Welpenhandel ist hoch. Die zuständigen Vor-Ort-Behörden erfahren in der Regel erst durch Straßenverkehrskontrollen der Polizei oder Hinweise aus der Bevölkerung von derartigen Fällen.“
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

 

Auch wir als Tierheim in Grenznähe und Nahe an der Autobahn BAB A3 sind oftmals Anlaufstelle für beschlagnahmte Hunde, die illegal nach Deutschland eingeführt wurden.

wichtige gesetze und regelungen:

Bei Welpen aus Deutschland ist ein Impfpass mit konkreten Eintragungen erforderlich (erste Impfung gegen Staupe, Parvovirose und andere Infektionskrankheiten in der 8. Lebenswoche, Impfung gegen Tollwut in der 12. Woche). Der junge Hund sollte gechipt sein. Die Länderkennzahl für Deutschland lautet 276. Stammt der Welpe aus einem anderen EU-Land, muss er mit einem EU-Heimtierausweis sowie mit einem tierärztlichen Gesundheitszertifikat ausgestattet sein. Sie dürfen frühestens im Alter von sieben Monaten einreisen. Auch für den Transport gelten einschlägige tierschutzrechtliche Bestimmungen.

Das kostenlose Tierregister Tasso e.V. bietet euch einen Überblick über wichtige Gesetze und Regelungen in Hinblick auf den Kauf eines Tieres aus dem Ausland:

1. Tierheime und Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland einführen möchten, benötigen eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 S. 1 Ziffer 5 Tierschutzgesetz.

Die Erlaubnis benötigt, wer Wirbeltiere zum Zwecke der Abgabe gegen Entgelt oder sonstige Gegenleistung nach Deutschland verbringt beziehungsweise einführt oder solche Tiere vermitteln will. Auch die in Schutzverträgen verlangte Schutzgebühr stellt eine solche Gegenleistung dar. Wer also Auslandstierschutz betreibt, indem er Tiere zur Vermittlung nach Deutschland verbringt oder Auslandstiere hier vermittelt, benötigt diese Erlaubnis.

2. EU-Heimtierausweis seit 29. Dezember 2014 mit neuen Regeln

Der Tierhalter muss nun seine personenbezogenen Daten mit seiner Unterschrift bestätigen. Im neuen Heimtierausweis müssen zudem die Kontaktinformationen des ausstellenden Tierarztes erfasst und von diesem unterschrieben sein. Sowohl die Seite mit dem Transponder-Nummer-Aufkleber, als auch die Seite, die Aufkleber zu der verabreichten Tollwutimpfung enthält, werden mit einer selbstklebenden Laminierung versiegelt. Zudem muss der ausstellende Tierarzt die Kontaktinformationen des Tierhalters, die Ausweisnummer, die Transponder-Nummer, falls vorhanden die Tätowierung und die Tätowierungsstelle, den Ort der Kennzeichnung, den Zeitpunkt der Anbringung oder des Ablesens für mindestens drei Jahre aufbewahren. Alte Heimtierausweise, die vor dem 29.12.2014 ausgestellt wurden, behalten bis zum Lebensende des Tieres ihre Gültigkeit.

3. Tollwutimpfungspflicht für Welpen für die Einreise nach Deutschland

Seit dem 31. Dezember 2014 dürfen Welpen nur noch mit einer gültigen Tollwutimpfung nach Deutschland eingeführt werden. Da eine Impfung gegen Tollwut erst ab der 12. Lebenswoche möglich ist und der Impfschutz erst 21 Tage nach der Impfung wirksam wird, können Welpen somit erst nach der 15. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden.

Darüber hinaus benötigt seit August 2014 jeder, der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland verbringt, um sie hier gegen Entgelt oder eine sonstige Gegenleistung abzugeben, die Erlaubnis der zuständigen Behörde (Veterinäramt). Dies gilt nicht nur für gewerbliche Händler, sondern auch für Privatpersonen. Lassen Sie sich in jedem Fall die entsprechende Erlaubnis zeigen.

wie erkennst du illegale händler?

  • Illegale Händler bieten zu junge Welpen an, die kaum die Augen öffnen und laufen können. Laut Tierschutz-Hundeverordnung dürfen Welpen erst im Alter von acht bis zwölf Wochen vom Muttertier getrennt werden. Das ist für die Sozialisierung des Tieres enorm wichtig, denn sonst leiden die Hunde später oft unter massiven Verhaltensproblemen.
  • Ein offensichtlich schlechter Gesundheitszustand des Tieres: Schwäche, Lahmen, Augen- und Nasenausfluss. Diese Tiere sind weder entwurmt noch geimpft und überleben selten das erste Jahr.
  • Kennzeichnung durch Mikrochip, Begleitpapiere (Zuchtbuchnummer oder Heimtierausweis) fehlen oder die Dokumente sind unzureichend, falsch oder mit Rechtschreibfehlern ausgefüllt. Die eingetragenen Impfdaten stimmen nicht mit dem angegebenen Alter des Welpen überein. Zuchtpapiere sind nicht inbegriffen und werden extra berechnet.
  • Lass dir ein Gesundheitszeugnis aushändigen. Aussagen wie „Der Hund braucht kein Zeugnis, der ist gesund!“ sind unseriös und sollte zur Alarmbereitschaft führen.
  • Wenn du nicht nach deiner Wohnsituation gefragt wirst, solltest du stutzig werden. Seriöse Züchter möchten sich vorab sicher sein, dass der Welpe in gute Hände kommt.
  • Verdächtig sind auch Angebote von Welpen unterschiedlicher Rassen zu Dumpingpreisen. Seriöse Züchter konzentrieren sich auf eine, höchstens zwei Rassen gleichzeitig.
  • Dubiose Händler liefern Welpen direkt ins Haus oder übergeben sie an öffentlichen Orten, oft durch Mittelsmänner, mit den Tieren im Kofferraum. Nicht selten werden Mischlinge als Rassetiere mit gefälschtem Stammbaum verkauft.

worauf solltest du beim welpenkauf achten?

Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung gibt auf seiner Homepage einen guten Leitfaden, worauf geachtet werden soll.

  • Vor Ort beim Züchter kaufen, Keinem Haustierverkauf an einem öffentlichen Platz oder aus dem Kofferraum zustimmen!
  • Ist die Mutterhündin anwesend? Falls nicht, ist dies ein klares Warnsignal, dass du einem illegalen Händler auf den Leim gehst.
  • Mach dir ein Bild davon, wo und wie die Welpen aufwachsen.
  • Frage nach dem Alter des Welpens.
  • Erkundige dich nach dem Gesundheitszustand und verlange Impfnachweise
  • Sind Begleitpapiere vorhanden? (EU-Heimtierausweis, Chip?)
  • Informiere dich über die Zucht!
  • Bestehe auf einen schriftlichen Kaufvertrag!

Ausführliche Infos zu den einzelnen Punkten findest du hier: https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/haus-und-zootiere/illegaler-welpenhandel.html

Weitere Informationen und einen Fragenkatalog mit den passenden Antworten zum Thema illegaler Welpenhandel bietet auch die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ auf ihrer Homepage: https://www.vier-pfoten.de/ueber-uns/faq/faq-illegaler-welpenhandel